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Nehmen wir eine Ameise, die in einem Garten lebt. Sie kennt ihren Bau und sammelt um ihren
Ameisenstaat herum Dinge, die für eine Ameise verwertbar sind. Das Insekt begreift den Garten
als Lebensraum, welcher ihr vertraut ist.
Die Ameise versteht jedoch die Dinge nicht, die sich um sie herum begeben. Fliegt zum Beispiel
ein Flugzeug über das Grundstück, so kann die Ameise dies nicht einordnen. Es liegt ausserhalb
der Wahrnehmung des Tieres oder ausserhalb des Horizontes der Ameise. Selbst wenn sie das
Fluggeräusch hören oder den Jet sehen könnte, so ist es doch eine Wahrnehmung, die das
emsige Insekt nicht einordnen kann. Die Kapazitäten der Ameise reichen nicht aus, um dieses
Ereignis interpretieren zu können.
Die vorbeschriebene Einordnung der Ameise lässt sich mit der des Menschen vergleichen. Der
Unterschied besteht lediglich darin, dass der Wahrnehmungsraum des Menschen wesentlich weitreichender
ist. Dies ist bedingt durch die grössere geistige Kapazität des Menschen.
Was für die Ameise der Garten, ist für den Menschen die Erde. Was sich ausserhalb der Atmosphäre
abspielt ist für den Menschen nur wenig verständlich. Dimension und Weite des Weltalls sind für
uns nicht fassbar, geschweige denn erkundbar. Wir scheitern an Weite und an der uns hierzu fehlenden
Zeit. Ähnlich sieht es im übrigen auch für die Ameise aus. Eine Erkundung der Erde scheitert auch
für sie an mangelnder Lebenszeit und Grösse des Planeten.
Es gibt keine großen Entdeckungen und Fortschritte, solange es noch ein unglückliches Kind auf Erden gibt
(Albert Einstein)
Aus den vorgenannten Umständen entstehen eine Reihe von Fragen. Ist der Mensch tatsächlich die
Krönung der Schöpfung oder ist er ein Irrweg der Evolution?
Allen Lebewesen sind die Dimensionen Breite, Länge und Höhe mehr oder weniger bekannt. Wir leben
in einer dreidimensionalen Welt. Der Mensch ist das einzige Lebewesen, welches mit dem Faktor
Zeit eine vierte Dimension kennt. Es drängt sich die Frage auf, ob dies ein Vorteil oder Nachteil
ist.
Mit Kenntnis der Dimension Zeit ist dem Mensch auch das Wissen um die absolute Endlichkeit seiner
Existenz gegeben. Ein Hund, eine Katze oder sonst ein Tier weiss nicht, dass es irgendwann sein
Ende finden wird. Es lebt mithin mit einem eingeschränkten Horizont ähnlich wie es bei Kindern
der Fall ist. Nicht umsonst findet man in der Bibel die Empfehlung: "Werdet wie die Kinder, denn
ihrer ist das Himmelreich".
Der Mensch wirft ob dieser Erkenntnis die Sinnfrage auf und für viele Menschen führt dies
in die Depression. Die Ursache liegt darin begründet, dass wir eine zu eingeschränkte Wahrnehmung
haben um zu verstehen, was uns umgibt. Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?
In Anbetracht der vorgenannten Problematik sollte man verneinen, dass der Mensch die Krönung
der Schöpfung ist. Das Wissen um Endlichkeit kann nicht als Gnade betrachtet werden.
Vielleicht ist hier der Evolution ein grausamer Fehler unterlaufen. Ein Lebewesen mit solch einem
Bewusstsein wie das des Menschen auszustatten ist wenig clever. Man muss schliesslich bedenken,
dass der Mensch die negativen Umstände seines Daseins kennt. Die sich ihm hieraus aufdrängenden
Fragen kann er jedoch nicht beantworten, so sehr er sich auch müht.
Die Religion gibt vielen Menschen Halt im Leben. Aber ist sie auch Antwort auf die Fragen, die
den suchenden Menschen bewegen? Man muss an dieser Stelle trennen.
Alle grossen Religionen der Erde sind in ihren Grundfesten positiv zu bewerten. Sie verfolgen
sinnvolle Regeln in Bezug auf das Zusammenleben der Menschen in der Gesellschaft. Das Problem
liegt darin, dass in der Geschichte oftmals die Religion für falsche Motive missbraucht wurden.
Die Religionen haben gemein, dass sie die Sinnfrage beantworten wollen und damit verbunden die
Endlichkeit des Seins.
Religion gibt jedoch keine direkte Antwort auf die Fragen, welche die Menschen hinsichtlich Sinn
des Seins bewegen. Die Ursache liegt darin, dass Religion Glauben voraussetzt. Und dieser Glauben
ist nicht jedem gegeben. Worin liegt die Ursache hierfür? Manchem Menschen ist die jeweilige
Religion nicht bekannt und andere können einfach nicht daran glauben. Religion ist irrational,
weil sie den normalen Lebensumständen widerspricht.
Den Menschen bringt seine Unwissenheit in Zweifel. Denken wir hierzu über die menschliche
Evolution nach. Die Geschichte der Menschen ist jung und begann vor etwa 35.000 Jahren.
Ziehen wir hierzu mal einen Vergleich zu den Dinos. Diese Urtiere beherrschten für etwa
60 bis 100 Millionen Jahre die Welt, bis sie schliesslich ausstarben. Zweifel an religiösen
Dingen sind somit erlaubt, weil man die zeitlichen Dimensionen bewerten muss, in denen wir
uns bewegen. In Relation zur Erdgeschichte ist die Existenz des Menschen nicht mehr als
ein winzig kleines Intermezzo.
Oder nehmen wir die räumliche Dimensionierung. Um zur nächsten Sonne zu gelangen müsste man
einige Jahre mit Lichtgeschwindigkeit durch den Weltraum fliegen. Mit unseren Antrieben
würden wir vermutlich 70 bis 100 tausend Jahre benötigen, um den nächsten Stern zu erreichen.
Eine Illusion.........
Die vorgenannten Umstände machen demütig und lassen uns zweifeln. Warum soll ein übergeordnetes
Wesen diese gewaltigen Dimensionen um uns herum schaffen, um uns hiermit den Glauben abzuverlangen?
Genau dies ist die Frage, die man sich ob der vorgenannten Umstände stellt. Und diese Frage
behindert uns in unserem Glauben.
Die wichtigste Erkenntnis meines Lebens ist die, dass wir in einem liebenden Universum leben
(Albert Einstein).
Wir können nur feststellen, dass wir in einer Ordnung leben, welche wir nicht verstehen.
Uns ergeht es nicht anders als der Ameise in unserem Garten. Wir leben also mangels Alternativen.
Wir bewegen uns in einem Raum, welcher uns nicht verständlich ist und der uns vermutlich auch
nie in Gänze verständlich sein wird.
Ein Sinn des Lebens besteht in jedem Fall darin seine Zeit sinnvoll zu nutzen. Der einfache
Satz "Man lebt nur einmal" gibt diese Erkenntnis wieder.
Albert Einstein hat es treffend umschrieben: Seltsam erscheint unsere Lage auf dieser Erde.
Jeder von uns erscheint da unfreiwillig und ungebeten zu kurzem Aufenthalt, ohne zu wissen,
warum und wozu.
Nur ein für andere gelebtes Leben ist lebenswert (Albert Einstein)
Wir sollten also menschlich leben und Leben als solches achten. Mehr können wir nicht tun.
Vielleicht erkennen wir am Ende unseres Lebens die Ordnung in der wir uns aufgehalten haben
und gehen in einer anderen, neuen Ordnung auf. Wir haben keine Alternative und müssen uns
dieser Erkenntnis fügen. Wenn Menschen dies in Religionen tuen, so sollte man dies
respektieren. Die Religion ist hier die Verbildlichung dieser uns unbekannten Ordnung, um
es greifbar zu machen.
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